PFLEGE & RESTAURIERUNG

Projekt "Lill"

Wasserstandsmeldung von Detlef Lutz für sein Refitprojekt "Folkeboot Lill" für das Jahr 2014:

"Nach ersten Ermittlungen der größten Schäden an unserer Lill machten wir uns in unserem Vorgarten in Hamburg daran, den Achtersteven, das Backbord- und Steuerbord-Püttingeisen und die Schäftung des Vorsteven am Wasserpass zur Reparatur vorzubereiten.
Dank meiner Freunde Jan Vogt, Bootsbaumeister (www.Bootsjan.de), und Arne Hoyer habe ich gute Ansprechpartner in Bezug auf bootsbauerische Kompetenz und die Beschaffung von Holz.

Mit Jan wurden an einem frostigen Tag im Dezember (2013) die nötigsten Maßnahmen und die möglichen Wege besprochen. Durch Arne lag im März eine 4000x600x55mm astfreie Eichenbohle auf dem Geburtstagstisch.
Den astfreien Eichenklotz in 70mm Stärke für den Achtersteven, der mir den Mut und die Zuversicht gab, alles hinzubekommen, sieht man in den Bildern.
Ohne diese Kontakte würde es für einen Selfmade-Menschen wie mich wohl ziemlich schwer werden, diese Aufgaben sachgemäß zu bewerkstellen.

Der milde Winter mit einem darauffolgend fantastischen Frühling hat zusätzlich zum Gelingen beigetragen, um in der Saison 2014 in unserem Lieblingsrevier, der Schlei, mit Lill segeln zu können.

Eine im Jahre 1954 eingebaute Maschine hatte den Achtersteven mit den Verbindungen zu den Planken in den ersten Jahrzehnten ziemlich zugesetzt. Die Maschine ist schon lange raus, aber ein Stevenrohrstabilisierungsklotz wurde nicht entfernt. Dadurch stand viel Feuchtigkeit in diesem Bereich und hat der Eiche stark geschadet.

Der arbeitsintensivste Schritt waren die Landungen des Unterwasserschiffes. Noch jetzt - nach acht Monaten - habe ich mit einer Sehnenentzündung vom Mittelfinger zum Ellenbogen gehend zu tun. Von den Schmerzen in den Nächten kann ich ja mal anderswo erzählen. In unzähligen Stunden (ca. 20) habe ich mit einem umgebogenen Schraubendreher das alte Kalfat in den Landungen entfernt. Zum Teil waren schon 2 Fäden hinein gepresst worden. Nach dem Entkalfatern war es im Rumpf recht zugig ;-). Zu zweit - mit Arne - wurden mehr als 500 Nieten fachgerecht nachgenietet. Dann wurden die Landungen (welche auch schon eine V-Nut von einem Vorgänger bekommen hatten) geschliffen und mit Hilfe einer Druckluftpresse mit einem MS-Polymer aufgefüllt. Wir haben keine Hohlkehle produziert, sondern bündig abgezogen. Diese Arbeit ging dank der Beschreibung von Uwe Baykowski auf den Seiten des FKY sehr gut voran. Es war an einem Tag vollbracht. An den Landungen kommt kein Tropfen Wasser mehr durch!

Am Vorsteven im Bereich der Schäftung an der Wasserlinie hat die Korrosion der vermutlich original verzinkten Wrangenbolzen zu Schäden geführt. Hier, wie auch an den anderen Stellen, wurde soweit alles in V4A ersetzt. Zu erwähnen ist sicherlich noch, dass alle Verbindungen zwischen den Planken und den Wrangen mit Messingschrauben versehen worden waren. Diese waren im Kopfbereich eigentlich nicht mehr existent, und so mussten sie mit einem Spezialwerkzeug frei und heraus gebohrt werden.

Schlecht gewartete Abdichtungen der Püttingeisen haben auf der Backbord-Seite zum Verrotten der Spanten und auf der Steuerbord-Seite zum Verrotten des vertikalen Knies geführt.
Das Kiefer-Stabdeck ist mit einer 9mm Sperrholz und 3mm GFK-Schicht laminiert. Durch die undichte Abdichtung an der Stb.-Pütting-Seite ist das Wasser in einer Decks-Plankenfuge genau auf das Knie gelaufen und hat es von innen verdeckt verrotten lassen.

Das Ziehen der Wrangen- und des letzten Kielbolzens entpuppte sich als sehr anstrengende Arbeit, welche mich an meine Grenzen brachte. Die 10mm Bolzen waren faktisch nicht mehr vorhanden im Bereich zwischen dem hinterem Knie und Kielplanke. Jedoch mussten sie mit all Ihren Resten entfernt werden. Der Anblick der neuen Wrangen lässt die Strapazen vergessen.

Erstaunlicherweise haben nur Planken (vorwiegend die berüchtigte 7.) auf der Backbord-Seite Trocken- oder Spannungsrisse bekommen. In einem Bereich wurde von mir, mit einem Spund von oben, nach der Beschreibung von Plankenrissen an Klinkerbooten im Larsson vorgegangen. Andere Risse, welche schon von außen verspundet wurden, habe ich nur von innen mit P-Bond ausgespritzt und zusätzlich verschraubt - hält alles super dicht.
Das P-Bond, welches ich nun immer als Klebemittel im UW-Bereich verwenden werde, ist ein Tip vom Bootsbaumeister Nils Engel. Es ist ein Epoxi-Gummi-Gemisch - klebt gut und bleibt elastisch.

In diesem Winter 14/15 steht das Entfernen des Ballastes an. Das Boot hat in der vergangenen Saison durch eine alte, fehlerhafte Reparatur am Vorsteven und durch die Rost-Schäden der originalen Kielbolzen unterhalb des Mastfußes viel Wasser genommen. Vermutlich sind die 10mm Verbindungsbolzen der 1-Meter- langen Schäftung zwischen Vorsteven und Kielplanke nicht mehr vorhanden.

So trauten wir uns nicht raus auf die Ostsee. Zum Ende der Saison 2014 wurde es zwar besser und wir konnten am 3. Oktober Wochenende das tolle Folkesegeln genießen und Kraft für die anstehenden Arbeiten in diesem Winter sammeln."

Fortsetzung folgt...



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